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Neuer TV-Vertrag beschert den Klubs 412 Millionen Euro pro Jahr - Vereinsvertreter loben den Abschluss
Frankfurt/Main - Die Anstrengungen der vergangenen Tage waren Christian Seifert (39) anzusehen. Doch die Mühen haben sich für den Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga (DFL) offenbar gelohnt, so stolz wie er gestern den neuen Fernsehvertrag präsentierte, der den Klubs früh wie nie vor einem neuen Vertragsbeginn Planungssicherheit verschafft. "Wir haben herausgeholt, was der deutsche Markt derzeit hergibt", betonte Seifert nach den Verhandlungen mit insgesamt 19 Bietern, die "in den allermeisten Fällen fair abliefen".
Insgesamt 1,65 Milliarden Euro kassieren die 36 Vereine der Bundesliga und Zweiten Liga in den kommenden vier Jahren, mit 412 Millionen pro Jahr sind das trotz der weltweiten Finanzkrise sogar sieben Millionen mehr als bisher. Der Abstand zu den Ligen in England (2,18 Milliarden Euro für drei Jahre) oder Frankreich (668 Millionen Euro pro Saison) konnte allerdings nicht verkürzt werden.
"Unter den gegebenen Umständen halte ich die erzielten Ergebnisse der DFL-Geschäftsführer für ausgezeichnet", lobte dennoch Bayern Münchens Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. "Darüber hinaus ist gewährleistet, dass es weiterhin einen ausgewogenen Mix zwischen Pay- und Free-TV gibt. Die neue Anstoßzeit am Samstag um 18.30 Uhr wird der Bundesliga für ihre Zuschauer und auch das Fernsehangebot noch aufwerten."
Live zu sehen sein werden weiterhin alle Spiele beim Bezahlsender Premiere, für die Sonntagsspiele werden zur Schaffung größerer Exklusivität ab August unterschiedliche Anstoßzeiten angesetzt. Die ARD zeigt erste Zusammenfassungen im frei empfangbaren Fernsehen samstags (vor 20.00 Uhr) und sonntags (21.45) jeweils in der "Sportschau", im ZDF-"Sportstudio" sind samstags die ersten Bilder vom neu eingeführten, um 18.30 Uhr angepfiffenen Top-Spiel zu sehen, bei dem jeder Verein allerdings nur höchstens sechsmal berücksichtigt werden darf. Die ARD erwarb zudem die Rechte für die Eröffnungsspiele der Hin- und Rückrunde sowie die Relegationsspiele zwischen dem Drittletzten der Bundesliga und dem Dritten der Zweite Liga.
Aus der Erstverwertung der Bundesliga verabschiedet hat sich das Deutsche Sportfernsehen (DSF), das bisher am Sonntagabend eine Zusammenfassung angeboten hatte. Der Spartensender bleibt aber bei der Zweiten Liga mit den Zusammenfassungen am Freitag und Sonntag sowie mit dem Live-Montagsspiel am Ball.
Im Web-TV überträgt künftig ebenfalls Premiere, im Bereich IPTV hat die Deutsche Telekom weiterhin die Rechte. Ihre Auslandserlöse im Fernsehen wird die DFL nach ihren Ankündigungen auf künftig 37 Millionen Euro pro Saison statt bisher 18 Millionen Euro steigern.
Über die Investitionen der einzelnen Fernsehanstalten machte die DFL keine Angaben, auch die Verantwortlichen der Öffentlich-Rechtlichen Anstalten wollten sich dazu nicht äußern. Experten vermuten aber, dass die ARD erstmals im dreistelligen Millionenbereich zahlt. Seifert erklärte jedoch, dass die Partner finanzielle Sicherheiten vorlegen mussten. Das dürfte vor allem bei angeschlagenen Sender Premiere, der sich die Rechte nach eigenen Angaben erst 225 Millionen Euro und im letzten Vertragsjahr sogar 275 Millionen kosten lässt, ein wichtiges Thema gewesen sein.
Letztlich wurde das ausgehandelte Angebot von der Mitgliederversammlung mit einem "überwältigenden Ja-Ergebnis" (DFL-Präsident Reinhard Rauball) abgesegnet, obwohl die Laufzeit nun vier statt der angestrebten drei Jahre beträgt. "Die Klubs können gegenüber ihren Partnern und Sponsoren noch mehr Präsenz im Fernsehen vorweisen und sich die Reichweiten deutlich erhöhen", sagte Werder Bremens Geschäftsführer Manfred Müller, Zustimmung gab es aber auch von kleineren Klubs. "Angesichts der wirtschaftlichen Lage ist das ein hervorragendes Ergebnis, auch wenn wir als Zweitligist mit den frühen Anstoßzeiten in einen sauren Apfel beißen müssen", erklärte Stefan Kuntz, der Vorstandsvorsitzen des 1. FC Kaiserslautern.
Nach der Mitgliederversammlung kündigte die DFL zudem an - wie schon der Deutsche Fußball-Bund (DFB) - das Bundeskartellamt zu verklagen. Das Kartellamt hatte die "dringende Empfehlung" ausgesprochen, die Zusammenfassung der Samstagsspiele der Bundesliga weiterhin vor 20.00 Uhr auszustrahlen. Damit war dem 500-Millionen-Euro-Vertrag zwischen der Liga und der Kirch-Firma Sirius die Grundlage entzogen worden. Zudem hatten Beamte des Kartellamts im Rahmen des Ordnungswidrigkeitsverfahrens wegen wettbewerbswidriger Absprachen am 26. Februar eine Hausdurchsuchung in den Räumlichkeiten von DFB und DFL durchgeführt und Unterlagen beschlagnahmt.
"Wir werden dies auf seine Rechtmäßigkeit überprüfen", sagte DFL-Präsident Rauball. "Durch das Bundeskartellamt hatten wir unverständliche Vorgaben bis hin zur Programmplanung. Das hat uns enorm eingeschränkt. Die restriktiven Vorgaben haben sich auch im Ergebnis niedergeschlagen." DW
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